Auf den ersten Blick erschrecken die Zahlen: Rund 4 Milliarden Euro sollen reiche Deutsche auf Konten in Liechtenstein vorbei am deutschen Fiskus angelegt haben. Was bedeutet das denn nun konkret?
Da sich solche Summen kaum mit Schwarzarbeit verdienen lassen, ist davon auszugehen, dass zumindest ein großer Teil davon zunächst legal verdient wurde - und (höchstwahrscheinlich in Deutschland) versteuert wurde. Aus dem entsprechenden Einkommen hat der Fiskus also mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit schon einen ordentlichen Anteil abbekommen.
Aber rechnen wir mal weiter: Aus 4 Milliarden Euro ergeben sich bei einer vernünftigen Anlage Brutto-Erträge von rund 10 Prozent pro Jahr, also 400 Millionen Euro. Da solche Summen nur selten in festverzinslichen Anlageformen investiert werden, wäre - bei legaler Versteuerung - in Summe auch nur ein moderater Steuersatz angefallen. Rechnen wir konservativ mit 20 Prozent, wobei es in der Realität sicher eher 10 Prozent gewesen wäre. Es geht also um eine Steuersumme von schätzungsweise unter 80 Millionen Euro pro Jahr.
80 Millionen Euro sind sicher kein Pappenstil - aber schon eine ganz andere Summe als die 4 Milliarden Euro, die bisher sozusagen zur “Bemessung” des Falls herangezogen wurden. Setzen wir den Betrag mal in Relation zu einigen anderen Zahlen:
Das Gesamtsteueraufkommen in diesem Jahr wird voraussichtlich bei 538 Milliarden Euro liegen. Ein Betrag von 80 Millionen Euro macht sich bei einer solchen Summe noch nicht einmal in der ersten Nachkommastelle bemerkbar.
Der Bund der Steuerzahler berichtet jährlich von vermeidbaren Verschwendungen von Steuergeldern in Höhe von 30 Milliarden Euro. Wie kann die Hinterziehung von Steuern kriminell sein, wenn gleichzeitig der unverantwortliche Umgang mit Steuern, die den Politikern vom Volk quasi treuhänderisch anvertraut werden, ohne jegliche Konsequenzen bleibt?
Nachtrag vom 18.02.2008: Laut Medienberichten ist von hinterzogenen Steuern in Höhe von rund 100 Millionen Euro auszugehen. Mit unserer Schätzung lagen wir also ziemlich gut. Was nervt, ist die Tatsache, dass in der Berichterstattung trotzdem weiterhin primär von den in Liechtenstein angelegten 4 Milliarden Euro die Rede ist - und dabei häufig sogar vergessen wird, klarzustellen, dass es bei diesem Betrag eben nicht um die Summe der hinterzogenen Steuern geht, sondern um das angelegte Vermögen.