2008
04
Mai
Die Scheinheiligkeit der Debatte um Managergehälter
Vorweg: Ich persönlich bin auch der Meinung, dass so mancher Manager eines Großkonzerns überbezahlt ist. Als Aktionär des betreffenden Unternehmens würde ich mir mehr Einfluss wünschen, um eine leistungsgerechte Bezahlung sicherzustellen. Gleichzeitig gibt es Manager, die einen Klasse-Job machen und jede Million wert sind, die sie verdienen. Unabhängig von all dem: Den Staat geht es einen feuchten Kericht an, wieviel einzelne Manager verdienen. Die jüngste Forderung der SPD nach einer Begrenzung der steuerlichen Abzugsfähigkeit hoher Managergehälter ist deswegen überflüssig, ordnungspolitisch unsinnig und nichts anderes als das populistische Aufgreifen einer dümmlichen Neid-Debatte.
Auch die diesbezügliche Agitation von Gewerkschaftsseite lässt jegliche inhaltliche Substanz vermissen. So behauptet DGB-Chef Michael Sommer einfach mal, kein Mensch dürfe 100-mal so viel verdienen wie ein anderer, und wenn die Manager das nicht begriffen, müsse der Gesetzgeber eingreifen. Herr Sommer, wie wär’s mit ein paar Argumenten? Wieso ist 100-mal soviel böse, aber 10-mal soviel ok? Falls Ihnen das noch niemand gesagt hat: Es ist weder Ihre Aufgabe noch die der Politik, die Gehälter einzelner Menschen festzulegen oder dafür auch nur Grenzen zu definieren. Während ich im Falle von Mindestlöhnen den Gewerkschaften zumindest ein gewisses Mandat zugestehe (das sie aber eher in Tarifverhandlungen ausüben sollten), haben Sie keinerlei Mandat bei der Diskussion um Managergehälter.
Wie bigott diese ganze Debatte ist, zeigt die Tatsache, dass prominente Sportler, Künstler oder Models problemlos zweistellige Millionensummen pro Jahr verdienen können, ohne dass sich irgendjemand darüber aufregt. Verdient ein Manager eine solche Summe, geht ein Aufschrei durch das linke Lager. So liegt zum Beispiel das jährliche Einkommen von Josef Ackermann ziemlich genau auf dem gleichen Level wie das von Heidi Klum. Warum kritisiert niemand Frau Klum?
Kritiker hoher Managergehälter müssen sich vor allem eine Frage gefallen lassen: Wem würde es nutzen, wenn Josef Ackermann & Co. weniger verdienen? Im Zweifelsfall den Aktionären der Deutschen Bank - niemandem sonst. Kein einziger der weiteren Mitarbeiter des Unternehmens würde deswegen auch nur einen Cent mehr bekommen - warum auch? Im Endeffekt sind hohe Managergehälter also nichts als ein Symbolthema, das auf primitivste Neidgefühle baut.
