2008 07
Mai

Jürgen Rüttgers mal wieder …

Tag: Jürgen Rüttgersadmin @ 23:16

Im Interview mit dem DeutschlandRadio gab “CDU-Arbeiterführer” Jürgen Rüttgers mal wieder ein Statement von sich, das tief blicken lässt. Bezugnehmend auf niedrige Renten für langjährige Beitragszahler sagte Rüttgers:

“Mir geht’s darum, dass die Menschen das Gefühl haben, dass unsere Systeme, auf denen unsere Gesellschaft, unsere Wirtschaftsordnung beruht, nicht nur wirtschaftlich vernünftig, sondern auch sozial gerecht sind.”

Keine Frage: Wenn die Menschen nachhaltig mit dem Wirtschaftssystem unzufrieden sind, kann das nicht gut für dessen Stabilität sein.

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2008 06
Mai

Deutsches Rentensystem: Vorerst leidlich repariert

Tag: Jürgen Rüttgers, Reformen, Rentenpolitikadmin @ 09:28

Auch wenn das Problem Altersarmut massiv überschätzt wird, sollte es doch zu denken geben, wenn langjährige Beitragszahler am Ende nur eine Rente aus Sozialhilfe-Niveau erwarten dürfen. Auf Drängen von NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers hat die Union nun beschlossen, die Renten für langjährige Beitragszahler soweit aufzustocken, dass diese oberhalb des Existenzminimums liegen. Entscheidendes Detail dabei: Die Aufstockung erfolgt aus Steuermitteln und nur dann, wenn ein tatsächlicher Bedarf besteht, also der betroffene Renter über keinerlei anderen Einkommen verfügt.

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2008 05
Mai

Altersarmut: Volksglaube vs. Fakten

Tag: Altersarmut, CDU, DIE LINKE, SPDadmin @ 00:49

73 Prozent der Deutschen glauben, dass Altersarmut schon in wenigen Jahren eines der größten Probleme des Landes sein wird - so das Ergebnis einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid im Auftrag der “BILD am Sonntag“. Besonders ausgeprägt ist diese Sorge mit 82 Prozent bei jenen Befragten, die zwischen 50 und 64 Jahre alt sind, also in Kürze selbst Renter sein werden.

Soweit der Volksglaube, hier nun die harten Fakten:

  • Gerade einmal 2 Prozent aller Renter bezieht die sogenannte Grundrente in Höhe von durchschnittlich 347 Euro zuzüglich Wohnkostenzuschuss von etwa 280 Euro.
  • Die Armutsrate (also der Anteil derjenigen mit weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens der Gesamtbevölkerung) lag im Jahr 2003 bei Zwei-Personen-Seniorenhaushalten bei 7,8 Prozent - und damit nur halb so hoch wie die Armutsrate in der Gesamtbevölkerung.
  • Die Armutsrate bei alleinlebenden älteren Menschen sank in den 80er und 90er Jahren um knapp 8 Prozent.

Dementsprechend klar und eindeutig ist die Bewertung durch die Wissenschaftler:

“Die materielle Lebenssituation der Älteren ist besser als die des Durchschnitts der Gesamtbevölkerung. Durchschnittlich haben die Senioren mehr verfügbares Einkommen und vor allem mehr Vermögen als die Jüngeren, die heute ihre Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung zahlen und später deutlich weniger Rente rausbekommen werden.” - Markus Grabka, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW)

Altersarmut ist eines der meistüberschätzten Phänomene der Gegenwart. Statistisch gesehen, ist die Wahrscheinlichkeit, auf ein armes Kind zu stoßen, etwa fünfmal größer als die, auf einen armen Rentner zu stoßen. Die heutigen Rentner sind im Durchschnitt die reichsten Rentner, die dieses Land jemals gesehen hat.” - Bernd Raffelhüschen, Finanzwissenschaftler an der Universität Freiburg

“Wir haben kein Altersarmutsproblem in Deutschland, sondern ein Problem mit Kindern, die arm aufwachsen.” - Axel Börsch-Supan, Wirtschaftswissenschaftler und Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats beim Wirtschaftsministerium

Und was macht die Politik? Olaf Scholz und Angela Merkel schanzen den Rentnern eine außerplanmäßige Rentenerhöhung zu (die in ihrer Wirkung auch noch verpufft). Jürgen Rüttgers fordert höhere Renten für langjährige Beitragszahler. Und DIE LINKE will nicht nur eine sattere Rentenerhöhung, sondern gleich noch einen Umbau der Rentenversicherung in einen Umverteilungsapparat.

Was lernen wir daraus? Fakten spielen keine Rolle. Wissenschaftler können noch so fundiert argumentieren, ihre Meinung ist keinen Pfifferling wert, wenn sich Volksglaube und populistische Politikerversprechen gegenseitig aufschaukeln. Diese Mixtur ist das perfekte Rezept, um ein ganzes Land vor die Wand zu fahren.


2008 02
Mai

Roman Herzog und die Angst der Deutschen vor Veränderung

Tag: Reformen, Roman Herzogadmin @ 13:52

Ex-Bundespräsident Roman Herzog ist ein Freund offener Worte. Gut zehn Jahre ist es her, dass er in einer vielbeachteten Rede forderte, ein “Ruck” müsse durch Deutschland gehen. Heute, über zehn Jahre später, warte er noch immer auf diesen Ruck, so Herzog im Interview mit dem stern. Lagerdenken und die Feigheit der Politiker verhinderten Reformen. Herzog diagnostiziert:

“Unser Problem ist ja, dass fast zu allen wichtigen Fragen die beiden großen politischen Lager fast gleich stark sind. Das heißt: Mal gibt es bei den Bürgern eine Mehrheit von 51 zu 49 Prozent und dann wieder eine von 49 zu 51 Prozent. Das sorgt zwar für maßvolle Entscheidungen, aber es verhindert mutige Entscheidungen, weil jedes Lager dabei befürchtet, der anderen Seite zu einer klaren Mehrheit zu verhelfen.”

Auf die Frage, ob die regierenden Parteien aus Angst vor einer Abstrafung durch den Wähler vor Reformen kneifen, sagt Herzog:

“Das spielt ganz bestimmt eine erhebliche Rolle. Die Angst der Deutschen vor Veränderung, vor allem im Sozialen, erhöht für reformbereite Parteien das Risiko, nicht mehr gewählt zu werden. Aber auch das Stillhalten ist eine riskante Politik. Keine Partei weiß, ob sie nicht nächste Woche dafür bestraft wird, dass sie nicht gehandelt hat. Dafür muss es in Deutschland wieder mehr Mut zu Entscheidungen geben, alle müssen ihre Opfer bringen.”

Opfer - ein ganz unpopuläres Wort. An der Bereitschaft, selbst einen Beitrag zur Lösung der anstehenden Probleme zu leisten, mangelt es der Bevölkerung allerdings wohl nicht zuletzt deshalb, weil ihr das Vertrauen fehlt, dass die Politik mit den so gewonnenen Spielräumen die Probleme auch wirklich löst.

Herzog beschreibt darüber hinaus ganz richtig die innerparteilichen Differenzen sowohl bei der SPD als auch der CDU:

“Hinzu kommt, dass erhebliche Gärungsprozesse auch innerhalb der Parteien ablaufen. In jeder Partei gibt es doch zwei Parteien. Eine, die schon kapiert hat, dass sich viel ändern muss, und eine, bei der diese Erkenntnis noch dauert.”

Gerade die Flügelkämpfe der letzten Monate in der SPD bestätigen diese Einschätzung auf plakative Weise. Aber vielleicht liegt genau darin die Lösung: Eine SPD, die sich selbst zerfleicht. Eine Linkspartei, mit der auf absehbare Zeit niemand koalieren mag. Grüne, die Angst davor haben, in der Opposition in Vergessenheit zu geraten und mittelfristig als dritte linke Partei obsolet zu werden. In 2009 sind die Chancen gut, dass eine Regierung zustandekommt, die Reformen anpacken kann, ohne akut um ihre Mehrheiten fürchten zu müssen. Die Kunst besteht allerdings nicht nur darin, diese Koalition zu schmieden und das Richtige zu tun - sondern auch und vor allem darin, die Bevölkerung mitzunehmen. Und das ist nicht nur eine Frage der Inhalte, sondern auch der Personen …


2008 29
Apr

Tolle Leistung, Herr Rüttgers!

Tag: DIE LINKE, Jürgen Rüttgers, Rentenpolitikadmin @ 20:53

Toll haben Sie das gemacht, Herr Rüttgers! Mit Ihrem Vorschlag zur staatlichen Subventionierung niedriger Renten aus Steuermitteln haben Sie erneut eine Diskussion angestoßen, die in populistischer Weise die Sorgen der Menschen aufgreift und vermeintliche Lösungen propagiert, die völlig am Problem vorbeigehen und ordnungspolitisch so fehlgeleitet sind, wie man sich das nur vorstellen kann.

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2008 22
Apr

Jürgen Rüttgers wechselt zur SPD

Tag: CDU, SPDadmin @ 20:18

War nur ein Scherz. Jürgen Rüttgers wechselt natürlich nicht zur SPD. Sie haben’s für einen Moment geglaubt? Können wir Ihnen nicht wirklich übelnehmen - nach all dem, was Rüttgers in letzter Zeit so von sich gibt.

Im Kampf gegen die Altersarmut (die im übrigen im Vergleich zur Armut von Familien wohl eher zu vernachlässigen ist) forderte Rüttgers kürzlich im Interview mit der FAZ mehr Rente für all diejenigen, die lange, aber nur wenig in die Rentenkasse einbezahlt hätten:

“Wer lange in die Rentenkasse eingezahlt hat, muss mehr Rente bekommen als nur die Grundsicherung.”

Konkret beanstandet Rüttgers, dass derjenige, der 35 Jahre lang monatlich 1.500 EUR brutto verdient habe, aus der Rentenversicherung heute nicht mehr als die Grundsicherung erhalte. Wer mit 65 Jahren in Rente geht, sollte eigentlich leicht auf mehr als 35 Beitragsjahre kommen - ein Studium kann ja bei einem Gehalt von 1.500 EUR wohl kaum als Erklärung für einen späten Eintritt ins Arbeitsleben herhalten …

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2008 20
Apr

Der gefährliche Kurs der CDU

Tag: Allgemein, CDUadmin @ 17:23

Was ist los mit der CDU? Auf Bundesebene stimmt die Union in der Großen Koalition für Mindestlöhne, Verlängerung des Arbeitslosengeldes für Ältere und eine außerplanmäßige Rentenerhöhung. In Hamburg beschließt sie eine Koalition mit den GRÜNEN, wobei inhaltliche Positionen u.a. in der Schul-, Innen-, Sozial- und Umweltpolitik ohne Zögern über Bord geworfen werden.

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2008 25
Mrz

Oswald Metzger geht zur CDU - Reaktionen

Tag: CDU, Oswald Metzgeradmin @ 23:52

Dass der Wechsel des ehemaligen GRÜNEN-Politikers Oswald Metzger zur CDU leise abgehen würde, hatte niemand erwartet - nicht einmal Oswald Metzger selbst. Am Ende seiner heutigen Pressemeldung schreibt er:

“Ich bin gespannt auf meine neue Partei und die Reaktion der Öffentlichkeit auf diesen Parteiwechsel. Ich habe mir meine Entscheidung allerdings gut überlegt und werde die kommenden Stürme deshalb mit Anstand überstehen.”

Trotz allem sind Kommentare insgesamt überwiegend freundlich oder doch zumindest moderat.

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2008 25
Mrz

Oswald Metzger: Von den Grünen zur CDU

Tag: CDU, Oswald Metzgeradmin @ 18:47

Eine wirkliche Überraschung war es ja nicht: Heute gab Oswald Metzger, bis vor kurzem noch prominentes Mitglied der Grünen, seinen Eintritt in die CDU bekannt. Nach seinem Parteiaustritt bei den Grünen war spekuliert worden, ob Metzger seine neue politische Heimat wohl eher bei der FDP oder eher bei der CDU finden würde. Auf einer Presse-Konferenz gab er seine Entscheidung heute bekannt.

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2008 07
Mrz

Wird Petra Roth hessische Ministerpräsidentin?

Tag: Andrea Ypsilanti, CDU, Roland Koch, SPDadmin @ 21:24

Nach dem Scheitern rot-rot-grüner Gedankenspiele in Hessen ist die Frage wieder völlig offen: Wer wird Hessens künftiger Ministerpräsident?

Die Frage nach der Person ist dabei in der Tat entscheidend: Insbesondere Roland Koch hat im Wahlkampf persönlich polarisiert - aber auch Andrea Ypsilanti steht für einen personell wie inhaltlich eher kontroversen Stil. Insofern könnte die Antwort lauten: weder Roland Koch noch Andrea Ypsilanti.

Interessant ist in diesem Zusammenhang eine Aussage von Hessens Grünen-Fraktionschef Tarek Al-Wazir, der auf die Frage nach einer Jamaika-Koalition sagte: ”Herr Koch bleibt Herr Koch.”

Auch wenn zwischen Grünen und CDU in Hessen programmatisch große Differenzen bestehen, erscheint es plausibel, dass den Grünen eine Koalition mit der CDU ohne Roland Koch wesentlich leichter fiele. Seien wir doch mal ehrlich: Selbst unter CDU-Wählern gibt es viele, die Roland Koch schlicht für unsympathisch und seinen Wahlkampfstil mindestens für unappetitlich halten. Wenn sein Rücktritt den Weg zu einer Jamaika-Koalition öffnen würde, sollte Koch seinem Bundesland und seiner Partei diesen Gefallen tun.

Bleibt die Frage, wer in einer solchen Konstellation das Amt des Ministerpräsidenten besetzen würde. Ein Name fällt dabei immer öfter: Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth. Sie regiert bereits in Frankfurt zusammen mit den Grünen und der FDP. Insofern ein durchaus plausibles Gedankenspiel. Es bleibt spannend in Hessen.


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