2011 16
Mai

Dominique Strauss-Kahn - Entwurf einer “Verschwörungstheorie”

Tag: Dominique Strauss-Kahnadmin @ 07:20

Dominique Strauss-Kahn, IWF-Chef und damit einer der wichtigsten Figuren im Weltfinanzsystem, soll am Wochenende in New York eine Hotelangestellte sexuell belästigt haben - und wurde daraufhin festgenommen. Für die Mainstream-Medien ist das offenbar nur ein weiterer, “normaler” Sex-Skandal. Soweit überhaupt weitere Implikationen thematisiert werden, beziehen sich diese auf Strauss-Kahns wahrscheinliche Kandidatur als französischer Staatspräsident im nächsten Jahr. Doch die Hintergründe sind vermutlich völlig andere.

Das entscheidende “Detail” wird höchstens am Rande erwähnt und in keinerlei Zusammenhang gesetzt: Strauss-Kahn wurde buchstäblich in allerletzter Minute vor seinem (geplanten und keineswegs überhasteten) Abflug nach Europa festgenommen. Er war auf dem Weg zu einem Treffen mit Bundeskanzlerin Merkel am Sonntag und sollte anschließend an einer heute stattfindenden (Krisen-)Sitzung zur weiteren Vorgehensweise in Sachen Griechenland-Rettung teilnehmen. Diese zeitliche Koinzidenz ist dermaßen auffällig, dass es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht um einen Zufall handelt, sondern ein direkter kausaler Zusammenhang besteht: Strauss-Kahn sollte durch die Festnahme an der Wahrnehmung dieser Termine gehindert werden.

Warum genau dies aus Sicht der US-Finanz-/Polit-Oligarchie notwendig war, ist nur zu vermuten: Strauss-Kahn ist (war?) als IWF-Direktor zweifellos Mitglied eben jener Finanz-/Polit-Oligarchie. Aber eben kein Mitglied des harten Kerns, sondern eher ein williger Befehlsempfänger in der zweiten Riege. Man sollte allerdings nicht vergessen, dass er gleichzeitig auch Franzose ist - und noch dazu einer, der sich Hoffnungen auf das höchste Staatsamt in seiner Heimat machte. Mit anderen Worten: Es gibt möglicherweise Entscheidungen oder Überlegungen jener Polit-/Finanz-Oligarchie, die Strauss-Kahn nicht (mehr) mittragen wollte.

Konkret: Die USA verteidigen im Moment mit ALLEN Mitteln den US-Dollar, genauer gesagt: seine Sonderrolle im Weltfinanzsystem. Als Weltreservewährung und exklusive Öl-Handelswährung erlaubt der Dollar den USA Handlungsweisen, die sonst schlicht unmöglich wären: Die USA können das Geld, das sie zum Bezahlen von Importen (Öl aus arabischen Ländern, andere Waren aus Asien und Europa …) benötigen, schlicht und ergreifend selbst herstellen. Gleiches gilt für die Mittel, die die US-Regierung zur Finanzierung anhaltender Staatsdefizite benötigt. Unter normalen Bedingungen ist so etwas nicht oder nur sehr begrenzt möglich: Ein dauerhaftes Außenhandelsdefizit (deutlich mehr Importe als Exporte) drückt auf den Außenwert einer Währung und zwingt zu kontinuierlichen Abwertungen, ein Staatsdefizit zwingt zu Steuererhöhungen oder dem stetigen Gewinnen neuer Kreditgeber über attraktive Zinsen deutlich oberhalb der Inflationsrate. Diese Mechanismen sind im Falle der USA außer Kraft gesetzt, so dass auch die inländische Inflation bis dato) begrenzt bleibt: Die Dollars werden schlicht exportiert - und sofern sie in die USA zurückkommen, geschieht dies in Form von Kapitalanlagen, was dann auch die (absurden) Kursanstiege u.a. bei Aktien erklärt.

Diese Sonderrolle des US-Dollar steht nun seit einigen Jahren verschärft zur Disposition. Arabische Nationen erwägen immer wieder den Wechsel zu anderen Verrechnungswährungen für Öl (was Saddam Hussein und jüngst auch Herrn Gaddafi zum Verhängnis wurde), Chinesen und andere Nationen sind immer weniger bereit, US-Staatsanleihen zu kaufen und stocken statt dessen ihre Goldvorräte auf. Teil des “US-Dollar-Verteidigungskampfes” ist nun ganz klar ein systematisches Attackieren des Euro.

Wohlbemerkt: Diese Situation hat die US-Finanz-/Polit-Oligarchie von langer Hand vorbereitet. Bereits die Einführung des Euro diente dazu, die Schwäche des Dollar zu kaschieren: Gegenüber einer starken D-Mark wäre der Wertverlust des US-Dollar sehr viel früher sehr viel deutlicher geworden als gegenüber dem Euro. Und es ist kein Zufall, dass die amerkanische Investment-Bank Goldman Sachs Griechenland dabei geholfen, die Staatsfinanzen so zu fälschen, dass das Land die Euro-Stabilitätskriterien (kurzzeitig) erfüllen konnte: So hatte man den Europäern eine Zeitbombe untergeschoben, die man jetzt zu zünden gedenkt.

Möglicherweise hat Dominique Strauss-Kahn nun das dreckige Spiel durchschaut und seine weitere Kooperation verweigert. Wohlbemerkt: Nicht etwa, weil er prinzipielle Bedenken gegen das Papiergeld-Inflationssystem hätte oder einer kommenden Weltwährung ablehnend gegenüberstünde, sondern viel eher, weil er US-amerikanische Egoismen zu Lasten Europas nicht mittragen wollte.

Vieles spricht dafür, dass es sich dabei um eine kurzfristige Entwicklung der letzten Tage gehandelt hat: Strauss-Kahn musste offenbar kurzfristig an seiner Abreise gehindert werden. Mit einem etwas längeren Planungshorizont hätte man sicher die spektakuläre und suspekte Festnahme im Flugzeug kurz vor der Reise zu einem derart wichtigen Termin vermieden und ihn diskreter “aus dem Verkehr” gezogen.

Eine Schlüsselfrage bei der Aufklärung dieser Geschichte lautet: Was hat Strauss-Kahn an diesem Wochenende in New York gemacht? Gab es ein oder mehrere Treffen mit Vertretern der Fed oder wichtiger Wall-Street-Banken?

In jedem Fall zeugt dieser Fall einmal mehr von zunehmender Hektik, ja: Panik, unter den Verfechtern des US-Papiergeldsystems. Die lächerliche Pressekonferenz des US-Notenbankchefs, die brutale und ausgesprochen plumpe Drückung des Silberpreises und das Ausspielen des Wir-haben-Bin-Laden-Erwischt-Jokers passen in dieses Bild. Es wird zunehmend eng, und die (Re-)Aktionen der US-Finanz-/Polit-Oligarchie werden zunehmend heftiger und auffälliger.