2010 29
Apr

Cicero: Abgesang auf ein ehemals lesenswertes Magazin

Tag: Allgemeinadmin @ 21:02

Bis vor kurzem war die Zeitschrift “Cicero” ein erfreulicher Gegenpol zu SPIEGEL & Co.: Mit Wolfram Weimer als Chefredakteur pflegte sie ein liberal-konservatives Profil, gab dabei aber auch durchaus anderen Positionen Raum (was u.a. Ringier-Lieblingsautor Frank A. Meyer oft bis zur Schmerzgrenze des Lesers ausnutzte). Seit kurzem nun ist Weimer weg und Ex-ZEIT-Herausgeber und SPD-Mitglied Michael Naumann Chefredakteur der Cicero. Die “neue” Cicero ist nur noch eines: überflüssig wie ein Kropf.

Vorweg: Nach dem Lesen der Mai-Ausgabe habe ich mein Abo gekündigt. Ich wollte Naumann eine Chance geben - er hat sie erwartungsgemäß nicht genutzt. Hier ein kurzer Abriss der “Highlights” dieser Ausgabe:

Seite 9, “Die keusche Hure” von Mr. Naumann himself: Kirchen-Bashing, wie wir es in den Mainstream-Medien in den letzten Wochen bereits en masse “genießen” durften. Aus dem kriminellen Verhalten Einzelner wird eine Krise der katholischen Kirche gezimmert. Toll - das christliche Abendland zerfleischt sich und seine Werte wieder einmal selbst.

Seite 38, “Wir verlieren das Ziel aus den Augen” von Joschka Fischer: Unser Ex-Außenminister zittert in Anbetracht der Griechenland-Krise um den Zusammenhalt der Europäischen Union und scheint in dieser Hinsicht Helmut Kohl als großes Vorbild zu sehen. Wenig Sympathien hingegen bringt er für das Bundesverfassungsgericht auf, das sich erdreistet, dem Lissabon-Vertrag kritisch gegenüberzustehen.

Seite 60, “Eitel bis in den Tod” von Eric M. Warburg: Der Hamburger Bankier (übrigens Schwiegervater von Michael Naumann - aber das nur am Rande) berichtet über das Verhör von Hermann Göring, das er in seiner Funktion als US-Geheimdienstler 1945 geführt hat. Belanglos, was soll dieser Artikel? Immer schön die Erinnerung wachhalten?

Seite 64, “In die Freiheit entkommen” von Louis Begley: Hommage an die USA, die - ganz selbstlos - die Freiheit in der Welt verteidigt, von einem jüdisch-polnischen Schriftsteller, der den Holocaust überlebt hat und in die USA emigrierte.

Seite 70, “Einmal westwärts - und zurück” von Bascha Mika (Ex-taz-Chefredakteurin): Beschreibt die Flucht ihrer Mutter aus Polen. Und noch ne Geschichte aus der “unrühmlichen” Epoche der deutschen Geschichte.

Seite 74, “Nicht für mich!” von Peter Nadas: Ein ungarischer Schriftsteller setzt sich kritisch mit dem Holocaust-Mahnmal in Berlin auseinander.

Seite 94, “Der Konsum macht’s, Dummkopf!” von Werner Vontobel: Mein persönlicher “Favorit” in dieser Ausgabe. Ein Plädoyer für Keynes’sche Idiotie in Reinstform. Werde dieser journalistischen “Meisterleistung” wohl noch einen eigenen Beitrag widmen.

Ne danke, die nächsten Ausgaben bis zum Auslaufen des Abos wandern ungelesen in den Müll, für so etwas ist mir meine Zeit einfach zu kostbar.