2009
14
Feb
Finanzkrise, Wirtschaftskrise, Währungskrise
Seit Monaten ist allenthalben von einer Finanzkrise zu hören. Mittlerweile sprechen viele von einer Wirtschaftskrise. Beides ist ernst genug, doch es wird noch schlimmer kommen, denn hinter diesen beiden Krisen steht eine weitere: eine globale Währungskrise. Wohlbemerkt: Die Rede ist nicht von der Krise einer einzelnen Währung. Die Rede ist von einer Krise aller Papierwährungen der Welt.
Ohne an dieser Stelle eine Vorlesung in Volkswirtschaft halten zu wollen, hier eine kurze Erläuterung der Zusammenhänge: Über Jahrhunderte waren alle langfristig stabilen Währungen an Gold gekoppelt. Dass es Gold war, ist dabei mehr nur ein Zufall (und in der Tat gab es auch andere Währungsgrundlagen wie Silber). Entscheidend ist, dass der Geldmenge eine natürliche Grenze gesetzt war. Staaten und Notenbanken konnten also nicht einfach nach Lust und Laune Geld drucken.
Genau das können Staaten und Notenbanken heute jedoch - und tun es auch. Das Gelddrucken hat dabei keineswegs erst mit den “Rettungsmaßnahmen” im Rahmen der Finanzkrise begonnen. Schon seit Jahrzehnten erhöht vor allem die US-amerikanische Notenbank kontinuierlich die Geldmenge. Zu ihrem Instrumentarium gehört dabei neben dem Drucken von Geld dabei eine ausgesprochene Niedrigzinspolitik - und genau diese ist die zentrale Ursache für die Subprime-Krise. Geld war billig zu haben, Kredite waren so billig, dass schon geringe Wertsteigerungen genügten, um die Zinsen für eine Immobilie zu kompensieren.
Das “Leben auf Pump” ist eben genau das: das Produzieren von Geld, dem kein realer Wert entgegensteht. Die Amerikaner haben dieses Prinzip auf allen Ebenen perfektioniert. Wohlbemerkt: Nicht nur der amerikanische Verbraucher, auch und vor allem der amerikanische Staat “lebt über seine Verhältnisse”. George Bush hat durch teure Kriege in den letzten acht Jahren das Haushaltsdefizit nach oben getrieben, doch in den Jahrzehten davor sah es auch nicht viel besser aus.
Und hier wird deutlich, dass es sich keineswegs um ein amerikanisches Phänomen handelt: Auch in Deutschland (wie den meisten Ländern Europas) haut der Staat seit Jahren Geld raus, das er nicht hat. Für Kriege gibt Deutschland zwar nur wenig Geld aus, dafür aber für viele andere unproduktive Dinge, so zum Beispiel die Unterstützung von Menschen, die nicht für ihren eigenen Lebensunterhalt sorgen können. Natürlich ist es die Aufgabe des Staates, Hilfsbedürftigen in der Not zu helfen - zum Problem wird das jedoch, wenn die Not zum Dauerzustand wird und die Zahl der Hilfsbedürftigen stetig steigt. Auf diesem Wege verarmt eine ganze Nation.
Der offizielle Maßstab, die Staatsverschuldung, ist dabei nur die Spitze des Eisbergs. Auch die fehlenden Rücklagen in der Sozialversicherung sind in Zeiten einer älter werdenden Bevölkerung eine Last, die von künftigen Generationen getragen werden muss, also Schulden der früheren Generationen. Gleiches gilt übrigens für fehlende Rückstellungen für Beamtenpensionen.
Das Ganze ging über Jahrzehnte gut. Nicht zuletzt, weil staatliche Stellen offizielle Inflationsraten geschönt und damit die schleichende Entwertung des Geldes vor den Menschen verborgen haben. Auch das scheinbar grenzenlose Vertrauen, dass ein Staat schon nicht pleite gehen würde, hat dazu beigetragen, das Problem lange Zeit zu kaschieren. Solange es willige Käufer für Staatspapiere gab, war die Welt in Ordnung.
Nicht erst seit dem Staatsbankrott von Island mehren sich Zweifel an der Zuverlässigkeit von Staaten als Schuldner. Die Bonität von Ländern wie Griechenland, Spanien oder Irland ist in freiem Fall - von osteuropäischen Staaten reden wir lieber gar nicht. Letztens äußerten sich Rating-Agenturen sogar erstmals skeptisch bezüglich der Bonität der USA - diese leise Kritik kommt in der Finanzwelt einer Revolution gleich. Und der wesentliche Grund, dass sich der US-Dollar derzeit gegenüber dem Euro derzeit stabil hält, ist die Tatsache, dass letzterer mit den Problemen einzelner Euro-Ländern möglicherweise noch vor dem Dollar kollabieren wird …
Warum lesen, hören und sehen wir von all dem in den Massenmedien wenig bis gar nichts? Weil das Thema brandgefährlich ist. Mit einer Krise der Wirtschaft und der Finanzinstitutionen kann man “linear” umgehen, sie ähneln schon irgendwie vergangenen Krisen - und insofern lassen sie sich auch, mehr oder minder erfolgreich, mit bekannten Rezepten behandeln. Sicher, das Wirtschaftswachstum mag nachlassen, und Menschen mögen ihre Arbeitsplätze verlieren. Aber weder Wirtschafts- noch Gesellschaftssysteme werden grundsätzlich infrage gestellt.
Anders bei einer Währungskrise. Wirtschaftliche und politische Instabilität sind fast zwangsläufig die Folge, nicht nur für Monate, sondern für Jahre oder Jahrzehnte. Wer jetzt im Rückblick auf die Währungsreformen im Deutschland des 20. Jahrhunderts glaubt, auch eine massive Währungskrise sei zu verschmerzen, macht es sich etwas zu leicht: Zum einen reden wir von einer globalen Währungskrise, in der eben nicht nur eine sondern viele wenn nicht alle Währungen der Welt betroffen sind. Zum anderen erfordert die globalisierte Wirtschaft unserer Zeit in einem viel höheren Maße funktionierende Währungen, als dies noch vor 50 oder 100 Jahren der Fall war.
Ein aktiver, schneller Ausweg aus dieser Situation ist kaum vorstellbar. Kein Wunder also, dass die Politik lieber die Zähne zusammenbeißt, die Währungskrise leugnet, statt dessen das Finanzssystem mit allen Mitteln wieder zusammenflickt und die Wirtschaft durch noch mehr Geld (und noch mehr Schulden) zu stabilisieren versucht. Was bisher noch nicht transparent ist, aber beinahe zwingend folgen muss, ist ein anschließender Abbau der Schulden über Jahrzehnte erhöhter Inflation - in der Hoffnung, dass es keiner merkt.
Achja, und echte Steuererleichterungen können wir vor diesem Hintergrund für die nächsten zwei bis drei Generationen absolut vergessen. Sie wären nur möglich, wenn der Staat seine Ausgaben radikal senkt - und dafür gibt es in einem Staat von Rentern und Leistungsempfängern keine Mehrheit. Und wenn eine Partei dennoch Steuersenkungen verspricht, ohne gleichzeitig für ähnlich massive Ausgabenkürzungen einzutreten, können Sie sicher sein, dass man dies mit noch einem Quäntchen mehr Inflation kompensieren wird.
