2009 28
Jan

Gewerkschaften - die neuen Asozialen

Tag: Allgemeinadmin @ 22:07

Erst verdi, dann Transnet und GDBA, jetzt UFO: Deutschlands Gewerkschaften haben offenbar jeden Kontakt zur Realität verloren. Mit Lohnforderungen von 8, 10 oder gar 15 Prozent in Krisenzeiten aufzuwarten, zeugt von Ignoranz und/oder Dummheit. Diesen Forderungen dann auch noch mit Streiks Nachdruck zu verleihen, ist schlichtweg asozial. Ausbaden müssen es Bahnkunden, Flugpassagiere, Kunden und der Steuerzahler.

Der Streik sollte ein letztes Mittel sein, um Arbeitnehmern zu helfen, berechtigte (!) Interessen durchzusetzen. Wohlbemerkt: Mit dem Streikrecht gesteht der Gesetzgeber den Arbeitnehmern zu, einseitig einen bestehenden Vertrag zu brechen - eine Art “Notwehrrecht” also. Wenn Streik jedoch dazu dient, die Arbeitgeber zu erpressen und abenteuerliche Forderungen “mit Gewalt” durchzusetzen, verliert dieses Instrument jegliche Legitimität. (Wer diesem Gedankengang nicht folgen kann oder will: Man stelle sich vor, eine kleine Gruppe von Arbeitnehmern in “strategisch wichtigen Funktionen” wie die Lokführer würden eine Lohnerhöhung um - sagen wir mal - 1.000 Prozent fordern und dafür streiken. Gibt es tatsächlich irgendjemanden, der ein solches Vorgehen gutheißen würde?)

Überhaupt fragen wir uns, mit welcher Argumentation Forderungen von 10 Prozent und mehr aufgestellt werden. Sind die Mitarbeiter der Bahn, der Lufthansa oder gar im öffentlichen Dienst vielleicht im letzten Jahr um 10 Prozent produktiver geworden? Nur das wäre ein Argument für eine entsprechende Lohnerhöhung - und wohlbemerkt auch nur dann, wenn die Produktivitätssteigerung dauerhaft und nachhaltig wäre und sich auch im Unternehmensgewinn widerspiegelt.

Ein gewisses Maß an Verständnis mag man für die Argumentation auf Basis der Inflationsrate aufbringen. In der Tat haben die Arbeitnehmer ein berechtigtes Interesse, keinen Reallohnverlust zu erleiden. Daher: Wo immer es durch die Entwicklung der Unternehmensergebnisse gedeckt ist, sollte ein Inflationsausgleich eigentlich automatisch stattfinden. Einzige Ausnahme: Wenn Lohnerhöhungen der Vergangenheit über die Produktivität hinausgingen, muss diese erst aufholen.

Und genau hier liegt das Problem in Deutschland: Über lange Jahre hinweg ging’s uns richtig gut. Bestes Beispiel ist der Facharbeiter, der mittlerweile ganz selbstverständlich ein Auto und regelmäßigen Auslandsurlaub erwartet. Das Anspruchsdenken ist hoch und definiert sich im wesentlichen aus den Boomzeiten Deutschlands. Dumm nur, dass mittlerweile viele andere Nationen (von Osteuropa bis China) bei wesentlich niedrigeren Ansprüchen immer dichter an unsere Fähigkeiten herankommen. Der Druck auf Arbeitsplätze und Löhne wird nicht geringer sondern größer werden.

Eine Ausnahme bilden jene Bereiche, die sich nicht oder nur bedingt dem Wettbewerb stellen müssen - und das trifft sowohl für die Deutsche Bahn, als auch die Lufthansa (im innerdeutschen Flugverkehr) und erst recht den öffentlichen Dienst in Deutschland zu. Hier handelt es sich um “monopolartige Infrastrukturbetriebe”, deren Kunden nicht wirklich ausweichen können. Was ein undifferenziertes Streikrecht in diesen Bereichen anrichten kann, erleben wir derzeit einmal mehr. Der Dumme ist am Ende der Kunde der Deutschen Bahn, der Flugreisende und im öffentlichen Dienst der Steuerzahler - im Endeffekt wir alle.