2008
29
Apr
ATTAC, die Deutsche Bank und Werbung auf Brötchentüten
Die Fakten sind schnell zusammengefasst: Die Deutsche Bank wirbt auf Brötchentüten bei Bäckern für den “Agriculture Euro Fonds”, der von steigenden Nahrungsmittelpreisen profitiert. Diese Steilvorlage konnte sich ATTAC natürlich nicht entgehen lassen und organisierte einen Protest vor der Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt gegen den “blanken Zynismus” dieser “skandalösen Werbung”.
Glücklicherweise fand sich ein Journalist, der etwas genauer nachfragt. So lesen wir bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung:
“Die Gegner der Rohstoffinvestments fordern, ‘die wilde Spekulation’ müsse durch internationale Regulierung beendet werden. Wie diese Regulierungen aussehen sollen, vermochte Jutta Sundermann vom Attac-Agrarnetz jedoch nicht näher zu spezifizieren. Sie verweist auf das vermeintliche Allheilmittel einer Börsenumsatzsteuer. Zu der Frage, woher die dringend notwendigen Investitionen in die Agrarindustrie stammen sollen, wenn nicht von Finanzinvestoren, vermochte Sundermann ebenfalls nichts zu sagen.”
Übrigens bestätigen praktisch ausnahmslos alle Wirtschaftswissenschaftler, dass die Finanzmärkte keine wesentliche Verantwortung für die gestiegenen Lebensmittelpreise tragen. Die Ursachen sind vielfältig, aber im wesentlichen sind es die steigende Nachfrage, die sich ändernden Ernährungsgewohnheiten gerade in Ländern wie China sowie Fehler in der Agrarpolitik, die die Nachfrage und damit die Preise nach oben treiben.
Aber was sollte sich ATTAC mit solchen “Details” auseinandersetzen, schließlich geht es in erster Linie um eine Agitation gegen die internationalen Finanzmärkte. In dieser Hinsicht ist ATTAC kaum weniger geschmacklos als die Deutsche Bank: Beide instrumentalisieren eine für viele Menschen bedrohliche oder zumindest unangenehme Entwicklung für ihre eigenen Ziele.
