2008
25
Mrz
Oswald Metzger geht zur CDU - Reaktionen
Dass der Wechsel des ehemaligen GRÜNEN-Politikers Oswald Metzger zur CDU leise abgehen würde, hatte niemand erwartet - nicht einmal Oswald Metzger selbst. Am Ende seiner heutigen Pressemeldung schreibt er:
“Ich bin gespannt auf meine neue Partei und die Reaktion der Öffentlichkeit auf diesen Parteiwechsel. Ich habe mir meine Entscheidung allerdings gut überlegt und werde die kommenden Stürme deshalb mit Anstand überstehen.”
Trotz allem sind Kommentare insgesamt überwiegend freundlich oder doch zumindest moderat.
Die Grüne Julia Seeliger schreibt in ihrem BLOG:
“Oswald Metzger und die CDU - viel Spaß wünsche ich dem Mann. Meine Meinung hierzu ist, dass es für ihn dort sicherlich sehr schwierig werden wird und dass er immer noch am besten zu den Grünen passt. Denn wo anders sind nonkomformistische Querköpfe, die gerne debattieren, besser aufgehoben?”
Ansonsten scheint ihre Haltung zu Metzger doch einigermaßen ambivalent - irgendwie passt Metzger letztlich wohl genauso zu den Grünen wie Wolfgang Clement zur SPD. :o)
Aus Sicht von cdu-politik.de stellt der Wechsel von Metzger zur Union die Existenzberechtigung der Grünen einmal mehr in Frage:
“Die Grünen sind eine sehr linke Partei, die sich - so meine These - selbst überholt hat. Warum? Das ursprüngliche Anliegen, die Politik und die Menschen über Umweltschutz und Ökologie aufzuklären und zu interessieren, wurde erreicht: andere Parteien wie die CDU machen mittlerweile eine sehr viel sinnvollere, nachhaltigere und durchdachtere Politik in Sachen Natur- und Umweltschutz. Dieses zentrale Anliegen also ist erfüllt und hat sich in der Sache für die Grünen erledigt: andere können es besser. Der zweite zentrale Punkt der Grünen, der Kampf für Multikulti ohne Leitkultur und gegen Deutschland ist gescheitert - die Menschen haben mittlerweile erkannt, wie falsch und katastrophal für unser Land diese Politik war. Auch die Freiheit des Denken ist - wie Metzger beweist -in anderen Parteien ausgeprägter. Wozu also noch die Grünen?”
Die Kommentare in Metzgers BLOG bei FOCUS sind zwar vielschichtig, aber insgesamt ebenfalls doch eher freundlich. Einige Beispiele:
“Dieser Schritt macht die CDU wieder wählbarer für mich. Politiker wie Sie (…), die standhaft auch gegen den Wind der öffentlichen Beliebtheit ihre Meinung durchstehen, sind immens wichtig für die Demokratie in Deutschland.”
“Herzlichen Glückwunsch und herzlich willkommen in der neuen politischen Heimat. Die CDU kann Sie gut gebrauchen - die Neigung, der ‘Volksbeglückungspolitik’ von Linken und SPD nachzugeben, ist in Berlin mittlerweile viel zu ausgeprägt. Nur eines noch: Die Seitenhiebe in Richtung FDP hätten nicht sein müssen. Ich denke, die Liberalen können sehr gut mit Ihrem Eintritt in die CDU leben - die braucht Sie wirklich dringender. Achja, und auch die Überlegung, mit einer großen Partei im Rücken mehr als in der FDP bewegen zu können, ist ebenfalls völlig legitim.”
“Im übrigen tut der CDU zur Zeit ein wenig mehr marktwirtschaftlicher Kurs auch ganz gut. Vielleicht werden Sie ja nicht ganz so schnell wie Herr Merz dort weg gemobbt …”
“Das Modell der sozialen Marktwirtschaft war und ist bei der FDP zu Hause, bei der CDU hat das Soziale, dem diffusen Gerechtigkeits-(Gleichheit)streben der Deutschen folgend, überhand genommen. Adenauers Erben der katholischen Soziallehre (Blüm, Rüttgers) haben Erhards Erben des Modells der (sozialen) Marktwirtschaft längst überrollt. Dennoch viel Erfolg in der neuen Partei, ist allemal besser als bei den grünen Realitätsverweigerern.”
Natürlich gibt es auch kritische Kommentare, die sich erwartungsgemäß nicht inhaltlich mit Metzgers Positionen auseinandersetzen, sondern eher schon in Verunglimpfungen abgleiten:
“Ich hatte in letzter Zeit nie große Sympathien für Sie und Ihrem Wirtschaftsdenken, welches offensichtlich viel zu sehr vom Lobbyismus geprägt wurde. Nun ist diese Wertschätzung auf dem Nullpunkt angelangt. Mit Ihrer Arroganz passen Sie vielleicht besser in die CDU als in eine der von Ihnen bereits heimgesuchten Parteien. In der medialen Öffentlichkeit vermitteln Sie stets den Eindruck des Allwissenden. Hört man Ihnen zu, so scheinen alle anderen Leute keine Ahnung von der Materie zu haben und nur Sie alleine sind im Besitz des Wissens.”
“Ein ehemaliger SPDler und Grüner, der zwar 6 Jahre Jura in Tübingen studierte, allerdings das Staatsexamen nicht schaffte, sich danach sagte: ‘Dann mache ich eben Politik!’ und mit simplen stereotypen Darstellungen über Hartz-4-Empfänger kurzfristig Aufmerksamkeit in der Boulevard-Presse erheischte, allerdings dafür nicht einmal mehr auf die baden-württembergische Landesliste der Grünen aufgestellt wurde (nachdem es mit der Liste zum Bundestag schon 2002 nicht mehr geklappt hatte). Nun versucht er es eben bei der CDU, was soll er auch sonst Sinnvolles machen ohne Ausbildungsabschluss?”
Ein anderer Leser ordnet diese Kommentare schon ganz richtig ein:
“Dass hier einige verletzte Grüne Seelen Gift und Galle speien sollte Herrn Metzger nicht verletzen - war es doch zu erwarten. Es wird deutlich, wie blank die Nerven einer Partei liegen, die für die anstehenden Probleme keine Progammatik mehr hat und definitiv überflüssig geworden ist.”
Weitaus ernstzunehmender als das Gezetere mancher seiner ehemaligen Parteigenossen ist jedoch das, was aus der CDU in Biberach zu hören ist. Die dortigen CDU-Verantwortlichen fühlen sich - so SPIEGEL Online - offenbar schlichtweg übergangen: Der Biberacher CDU-Kreisvorsitzende Josef Rief erfuhr von Journalisten von Metzgers Aufnahmeantrag - dieser war erst später in seiner Post. Der bisherige Direktkandidat des Wahlkreises, Franz Romer, will 2009 aus Altersgründen zwar ohnehin aus dem Bundestag ausscheiden, wettert aber dennoch:
“Metzger ist bei uns nicht willkommen! (…) Oswald Metzger war schon bei der SPD und bei den Grünen, er will sich nur selbst darstellen.”
Letztlich dürfte die Bundes-CDU den Landkreis jedoch zur Vernunft bringen - auch wenn Metzgers Wechsel zur CDU nicht gerade von taktischer Brillanz geprägt war. So oder so: Es bleibt spannend - langweilig wurde es mit Oswald Metzger ja ohnehin noch nie. :o)
