2008
19
Feb
Heilsversprechen - diesseits und jenseits des Großen Teichs
Zugegeben, der Vergleich hinkt etwas. Aber bei genauerer Betrachtung gibt es doch interessante Parallelen zwischen den Heilsversprechen der LINKEN in Deutschland und den Statements des demokratischen US-Präsidentskandidaten (in spe) Barack Obama.
Während die deutschen Medien in den letzten Wochen primär über das Rennen zwischen Hillary Clinton und Barack Obama um die Nominierung berichten, geht DER SPIEGEL mal etwas an die Inhalte und analysiert, was eigentlich hinter dem Phänomen Obama steckt.
So diagnostiziert Autor Gabor Steingart unter anderem:
“Der junge Ideenverkäufer aus Chicago spürt die selben Auftriebskräfte. Er eilt von einem Wahlerfolg zum nächsten. Obama hat, was die Amerikaner “momentum” nennen, Schwungkraft, Eigendynamik. (…) Dennoch wird er seine Wähler enttäuschen müssen, wenn er denn jemals den Auftrag zur Regierungsbildung bekommt. (…) Die Spielregeln der Politik will er ändern - aber wie und wohin, bleibt offen. Eine neue Seite im Geschichtsbuch will er aufschlagen - aber in welcher Handschrift will er den Eintrag vornehmen? Er will die Lobbiysten vertreiben - aber wer soll an ihrer Stelle die Interessen von Gewerkschaftsmitgliedern, Kriegsveteranen oder Chemiekonzernen vertreten? Mit den Diktatoren dieser Welt will er verhandeln - aber mit welchem Ziel eigentlich?”
Obama setzt - wie DIE LINKE in Deutschland (auch wenn der Vergleich ansonsten etwas unfair ist) - vor allem auf die Unzufriedenheit vieler Menschen mit dem Status Quo. Seien es Einschnitte ins Sozialsystem und “Globalisierungsnebenwirkungen” in Deutschland oder ein verkorkster Irak-Krieg in den USA - Ansatzpunkte für ein “Unwohlsein der Bevölkerung” finden sich in beiden Ländern mühelos.
Und in der Tat ist das Thema Irak das beste Beispiel dafür, wie wenig auch ein Präsident Obama eine einfache Lösung für ein verfahrenes Problem liefern kann:
“Schneller Abzug aus dem Irak - das klingt ausgesprochen gut und friedlich. Aber: Der Fehler, diesen Krieg begonnen zu haben, lässt sich eben nicht dadurch wieder gut machen, dass man ihn Hals über Kopf beendet. Einem zügigen Abzug der US-Armee würde mit übergroßer Wahrscheinlichkeit ein blutiger Bürgerkrieg folgen. Al-Qaida würde sich endgültig im Irak einnisten. Der Nachbarstaat Iran würde auftrumpfen. Die wahren Gewinner der amerikanischen Präsidentschaftswahlen hießen Osama Bin Laden und Mahmud Ahmadinedschad.”
Sowohl DIE LINKE als auch Obama zeigen in aller Deutlichkeit, dass es für schwierige Probleme keine einfachen Lösungen gibt. Und: Das Gegenteil von “gut gemacht” ist “gut gemeint”.
